Plattfischangeln vom Boot

Das Angeln auf Plattfisch vom treibenden sowie verankerten Boot kann sehr erfolgreich verlaufen und wenn dabei einige Grundsätze beachtet werden, kann man jederzeit mit sehr guten Fängen im hohen zweistelligen Bereich rechnen. Im folgenden Bericht möchte ich euch eine meiner Lieblingsmethoden des Meeresangeln näher bringen, welches Tackle ich verwende und generell etwas über diese speziellen Meeresfische erzählen.

Beim Plattfischangeln vom Boot lassen sich verschiedene Zielfische überlisten!

Plattfisch ist nicht gleich Plattfisch und nicht jede Platte ist gleich eine Scholle, sowie es viele Menschen irrtümlich annehmen, denn unter diesen Fischen gibt es eine große Artenvielfalt. Hierzu gehören unter anderem Flunder, Kliesche (auch Scharbe oder Limande genannt), Scholle (Goldbutt), Glattbutt und Seezunge.
Der häufigsten Fischarten, die beim Plattfischangeln vom Boot überlistet werden, sind zum einen die Flunder und zum anderen die Kliesche. Sie sind genauso schmackhaft, wie eine echte Scholle, die auch hin und wieder den Köder nimmt, genauso wie eine Seezunge.
Plattfische kommen so ziemlich in allen Meeren der Welt vor und sie bevorzugen hauptsächlich Sand- und Kiesgründe. Dort ernähren sich unsere platten Freunde hauptsächlich von Wattwurm, Seeringelwurm, kleinen Fischen, Muscheln und Garnelen. Doch Wattwurm und Seeringelwurm sind wohl die besten sowie fängigsten Köder, die zudem auch noch am einfachsten zu beschaffen sind.
Der Plattfisch ist von Grund auf ein Neugieriger Fisch, der einen hohen Futterneid an den Tag legt, was wir uns wiederum für seinen Fang sehr gut zu Nutze machen können.

Plattfischangeln vom Boot - Welches Tackle ist empfehlenswert?

Beim Plattfischangeln vom Boot verwende ich hauptsächlich Ruten mit einem Wurfgewicht zwischen 60g und 120g. Hierbei haben sich schwere Spinnruten sowie leichte Karpfenruten als sehr gut herausgestellt, wobei die Bisserkennung umso besser ist, desto feiner die Rute ausfällt. Weiterhin bieten sich sogenannte Heavy Feederruten an, denn aufgrund der sensiblen Spitzen, bekommt man jeden kleinsten Zupfer der Platten sofort angezeigt.
Bei der Rutenlänge setze ich auf Modelle von 2,40m, weil diese ganz einfach besser vom Boot zu bedienen sind, wobei natürlich auch längere Ruten eingesetzt werden können. Es sollte allerdings immer beachtet werden, dass umso länger die Rute ist, desto komplizierter die Handhabung auf dem Boot wird.
Als Rolle verwende ich beim Plattfischangeln vom Boot meistens eine 3000er oder 4000er Stationärrolle. Viele schwören allerdings auf eine kleine Multirolle, was meiner Meinung nach Geschmackssache ist und jeder für sich selbst austesten sollte, was ihm besser liegt. Als Hauptschnur setze ich auf eine 0,12er geflochtene Schnur, was in vielen Fällen mehr als ausreichend ist. Bei der geringen Angeltiefe kann man auch getrost auf eine monofile Schnur zurückgreifen, doch ich persönlich finde es schöner, wenn ich auf Grund direkten Kontakt zum Köder habe, was mir durch die Geflechtschnur ermöglicht wird.
Als Gewicht setze ich auf ein Birnenblei oder ein Grippblei, dass ich aus dem Karpfenbereich zweckentfremde und der Strömung sowie der Tiefe anpasse. In der Regel reichen Grippbleie zwischen 60g und 100g völlig aus, wobei diese speziellen Bleie den zusätzlichen Vorteil bringen, dass sie den Grund etwas aufwühlen, wodurch die Neugierde der Platten geweckt wird.
Das Tackle wäre komplett, aber was nützt einem das beste Equipment ohne eine erfolgsversprechende Montage?

Plattfischangeln vom Boot - Welche Montage bringt die Plattfische an den Haken?

Zum Plattfischangeln vom Boot verwende ich oftmals eine sogenannte Nachläufer Montage mit einem Seitenarm. Diese .Plattfischmontagen gibt es natürlich fertig zu kaufen, wobei sie sich ohne großen Aufwand selbst binden lassen. Auf letzteres setze ich immer, denn so kann ich meine Montage genau auf die Bedingungen am Wasser abstimmen, wodurch der Erfolg im Endeffekt meist größer ausfällt.
Um den Lockreiz auf die Fische zu erhöhen und sie an den Haken zu bekommen, verwende ich bunte Perlen bzw. Auftriebskörper, die ich auf die Mundschnur vor dem Haken platziere. Manchmal ist es sinnvoll, zusätzlich ein kleines Spinnerblatt zwischen oder hinter die Perlen zu schalten, denn dies kann beissfaule Plattfische doch noch zum Biss überreden. Im Normalfall verwende ich Perlen zwischen 6mm und 8mm, wobei an manchen Tagen unsere platten Freunde dann wiederum auf 10mm Lockperlen stehen. Daher ist es am besten, wenn verschiedene Montagen mit unterschiedlichen Lockperlen in der Tackletasche mitgeführt werden, so dass notfalls immer getestet werden kann, was zurzeit funktioniert.
Meine Favoriten bei der Nachläufer Montage bestehen aus einer roten sowie gelben Lockperle. Während ich am oberen Seitenarm auf ein Spinnerblatt verzichte, schalte ich ein Blättchen an die Mundschnur des Nachläufers.
Haken kommen bei mir Aberdeen Haken (auch Wurmhaken oder Plattfisch Haken genannt) der Größe 2 zum Einsatz. Häufen sich die Fehlbisse oder die Fische beißen vorsichtig, kann ein kleiner Haken der Größe 3 oder 4 hilfreich sein.
Der Haken wird mit zwei saftigen Wattwürmern oder mit einer Kombination aus Wattwurm und Seeringelwurm beködert. Fallen die Würmer recht klein aus, ziehe ich lieber einen Wurm mehr auf den Haken, als zu wenig, denn auch ein kleinerer Plattfisch scheut sich nicht vor einem großen Köder. Hierbei ist eine lange Ködernadel von Vorteil, denn mit ihr wird das Aufziehen des Köders erleichtert und während der Beißphase ist man ganz einfach schneller wieder einsatzbereit.
Nun sind unsere Plattfischruten komplett und die Haken beködert, so dass noch der richtige "Einsatz unserer Waffen", spricht die Köderführung, fehlt.

Die Köderführung beim Plattfischangeln vom Boot!

Stellen wir den räuberischen Platten vom treibenden Boot aus nach, so ist die Köderführung mehr als simpel. Hier lasse ich die Montage einfach zum Gewässergrund sinken und gebe je nach Tiefe zusätzlich zehn Meter Schnur nach, so dass Unebenheiten auf dem Grund sofort ausgeglichen werden, ohne dass der Grundkontakt verloren wird. Jetzt schließe ich den Rollenbügel und ziehe die Montage einfach hinter dem Boot über Grund nach, wobei ich die Rute im 90° Winkel zur Hauptschnur halte, damit eine sehr gute Bisserkennung gewährleistet ist. Die Plattfische sind grundnahe Räuber, die teils im Sand eingegraben sind, so dass es wichtig ist, den Grundkontakt immer aufrecht zu erhalten.
Soll vom verankerten Boot gefischt werden, ist es wichtig, dass im Vorhinein die eine oder andere Drift angesetzt wird, um die Tiefe herauszufinden, wo sich die Platten aktuell aufhalten. Das heißt, wenn in einer bestimmten Tiefe vermehrt Bisse auftauchen, sollte sich diese gemerkt werden, damit das Boot anschließend punktgenau positioniert und verankert werden kann. 
Jetzt gibt es verschiedene Varianten, die Montage bzw. den Köder dem Zielfisch anzubieten. Zum einen ist es das Fischen mit einer toten Rute, indem die Montage mit etwas Abstand zum Boot auf den Grund gelassen wird und zum anderen ist es das aktive Fischen. Bei der ersten Möglichkeit wird die Rute wieder ungefähr in einem 90° Winkel zur Schnur positioniert, so dass die Bisse schnell gesehen werden. Nun wird einfach gewartet, bis die ersten Einsteiger kommen, was in der Regel nicht lange dauert, wenn die Köder in der richtigen Tiefe liegen.
Bei der zweiten Variante, die des aktiven Angelns, werfe ich die Montage aus und lasse sie bis zum Grund absinken, wo ich sie an straffer Schnur einige Momente verharren lasse. Jetzt mache ich, in etwa wie beim Faulenzen auf Raubfisch, zwei bis drei Kurbelumdrehungen und lasse den Köder wieder stehen. Hierbei wird der Grund durch das Blei aufgewühlt und so die Neugierde auf die Montage gezogen. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, die Montage ab und an etwas zu jiggen und sie anschließend an straffer Schnur wieder zum Grund sinken zu lassen. Hierdurch wird flüchtende Beute imitiert, was aggressive Plattfische meistens zum Biss überzeugt.

Plattfischangeln vom Boot - Der Biss!

Einen Plattfisch-Biss bemerkt man meisten an einer Art vibrieren der Rutenspitze. Es sind mehrere kurze und leichte Schläge in der Spitze. Hierbei sollte bedacht werden, dass der Plattfisch ein recht kleines zur Seite stehendes Maul besitzt und somit vielleicht auch mal etwas länger braucht, bis er den Köder komplett genommen hat.
Aus diesem Grund schlage ich nicht sofort an, sondern gehe mit der Rutenspitze in Richtung Fisch und gebe somit etwas Schnur nach. Wichtig ist, dass nicht zu viel Schnur freigegeben wird und immer Kontakt zum Fisch behalten wird. Sobald das vibrieren stärker wird, kann der Anhieb gesetzt werden und die Platte hängt in der Regel. Jetzt warte ich noch einen Moment, bevor ich den Fisch an die Oberfläche drille, denn die Chance ist sehr hoch, dass ein zweiter Fisch einsteigt und eine Doublette zum Vorschein kommt.
Ich hoffe, dass ich euch das Plattfischangeln vom Boot schmackhaft reden konnte, denn es ist oftmals ein spannendes Angeln mit viel Fisch.

Ich wünsche euch volle Eimer und ordentliche Doubletten!

Petri Heil wünscht euch
André Krafthöfer
(ehemals Raubfischteam Catfish-Hunters)

 

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